Tempu Ri Capuna (Kulinarisches Fischfest)

Wenn in San Vito Lo Capo die letzten Couscous-Teller des Cous Cous Fest abgeräumt sind, ist der Sommer noch nicht vorbei. Der Ort holt kurz Luft, und dann geht es weiter. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 steht beim Tempu Ri Capuna ein Fisch im Mittelpunkt, den hier jeder kennt und den du außerhalb Siziliens kaum auf der Speisekarte findest: der Capone.

Was ist das Tempu Ri Capuna?

Der Name ist Sizilianisch und bedeutet ungefähr „Zeit des Capone“. Gemeint ist die Fangzeit. Von September bis November ziehen die Fischer von San Vito Lo Capo die Capone (Goldmakrele) in großen Mengen aus dem Wasser vor ihrer Haustür. Das Fest feiert diesen Moment im Jahr, und die Fischervereinigung von San Vito Lo Capo ist die eigentliche Gastgeberin. Es ist also kein Fest, bei dem jemand Fisch einkauft und Folklore dazustellt. Die Leute, die ihn fangen, stehen selbst am Tisch.

Capone, Lampuga, Goldmakrele: Um welchen Fisch geht es?

Der Capone heißt in Italien auch Lampuga, wissenschaftlich Coryphaena hippurus. Im Deutschen kennst du ihn vermutlich als Goldmakrele, auf Speisekarten auch als Mahi Mahi. Er ist leicht zu erkennen: lang gestreckter, seitlich abgeflachter Körper, Rücken in schillerndem Blaugrün, das zu den Flanken hin ins Silbrige wechselt, dazu eine sehr lange Rückenflosse. Er jagt kleine Fische und Tintenfische und kommt im Herbst nah an die Küste.

Früher galt er als Fisch der armen Leute. Heute schätzt man sein feines, mildes Fleisch, und es gibt erstaunlich viele Arten, ihn zuzubereiten. Wie alle Blaufische hat er außerdem gute Nährwerte. Beim Fest kannst du ihn in seiner einfachsten und besten Form probieren: frittiert, frisch, ohne Schnickschnack.

Das Verkostungsmenü an der Via Venza

Das Herzstück ist das Verkostungsticket für 15 Euro, das du an der Kasse kaufst. Dafür bekommst du ein komplettes sizilianisches Mittagessen:

  • einen Teller Busiate mit Pesto alla trapanese (die handgedrehte Pasta aus der Gegend, dazu das Pesto aus Tomaten, Mandeln und Basilikum)
  • frittierten Capone
  • ein Stück gelbe Melone
  • ein sizilianisches Dessert
  • ein Glas Wein

Gegessen wird an der Via Venza, mitten im Ort. Du sitzt also nicht auf einem abgesperrten Festgelände am Ortsrand, sondern zwischen Häusern, Stimmengewirr und dem Geruch von heißem Frittieröl. Das gehört dazu.

Der Fischmarkt mit Auktion: der Morgen, den du nicht verschlafen solltest

Wer nur einen Programmpunkt mitnimmt, sollte diesen wählen. Am Samstagvormittag verwandelt sich die Piazza Santuario in einen Fischmarkt, wie es ihn früher in jedem sizilianischen Hafenort gab. Der Auktionator ruft die Fischsorten aus, nennt den Startpreis, und der Preis klettert, bis jemand den Zuschlag bekommt. Es ist laut, es riecht nach Meer, und dazwischen erzählen die Fischer ihre Geschichten. Der Fisch auf den Tischen darf anschließend gekauft werden, ganz frisch.

Im vergangenen Jahr organisierte die Fischhandlung Cuore von Mohamed Amara die Auktion. Als Gäste auf dem Podium saßen der Autor Ninni Ravazza, der über maritime Traditionen schreibt, und der Ernährungsberater Sergio La Sala. Ein Fischmarkt, bei dem man nebenbei lernt, warum der Fisch im Teller so gut für einen ist, ist eine ziemlich gelungene Mischung.

Kochshow, Konzerte und Abende auf der Piazza

Auf der Piazza Santuario läuft unter dem Namen „Tempu ri storie“ eine Kochshow mit Verkostungen. Zuletzt stand dort der Koch Peppe Alongi vom Restaurant Laccialoro aus San Vito Lo Capo am Herd. Abends gibt es kostenlose Konzerte und Shows. Du kannst nach dem Essen sitzen bleiben, ein Glas nachbestellen und zuhören, während die Piazza sich füllt. Direkt neben dem Platz steht das Santuario, das Wahrzeichen des Ortes, und wenn es dunkel wird, sieht das sehr gut aus.

Praktische Tipps für deinen Besuch

Anreise: Am bequemsten fliegst du nach Trapani-Birgi oder Palermo und fährst von dort mit Mietwagen oder Transfer weiter nach San Vito Lo Capo. Plane für die Strecke ab Trapani rund eine Stunde ein.

Parken: An Festtagen wird es im Zentrum eng. Stell das Auto lieber etwas außerhalb ab und geh die letzten Meter zu Fuß. Achte auf die verkehrsberuhigte Zone (ZTL), damit dir keine Strafe ins Haus flattert.

Wann hingehen: Fürs Essen kommst du am besten früh, zum Mittagessen, wenn die Schlangen noch kurz sind. Den Fischmarkt am Samstagvormittag und die Konzerte am Abend solltest du ohnehin einplanen. Ein Wochenende reicht, aber wenn du Freitag ankommst, bekommst du den ganzen Dreiklang mit.

Wetter: Anfang Oktober ist es auf Sizilien meist noch mild, das Meer ist oft noch angenehm. Für die Abende auf der Piazza lohnt sich trotzdem eine leichte Jacke.

Unterkunft: Im Oktober haben viele Betriebe schon auf Nebensaison umgestellt oder machen bald zu. Frag Öffnungszeiten und Verfügbarkeit rechtzeitig an und buch für das Festwochenende nicht erst am Anreisetag.

Programm: Das genaue Tagesprogramm veröffentlicht auf der Webseite https://www.tempuricapuna.it oder in sozialen Medien. Schau kurz hinein, bevor du planst, denn Uhrzeiten können sich verschieben.

Mehr aus dem Wochenende machen

Ein Fest allein ist schon ein Grund zu kommen. Aber wenn du ohnehin in der Gegend bist, lässt sich das Wochenende gut ausbauen. Die Riserva dello Zingaro liegt direkt nebenan und ist ein guter Ausgleich nach einem Teller Busiate. In Erice kannst du durch die mittelalterlichen Gassen laufen, und Segesta mit seinem Tempel liegt auch nicht weit. Und wer Fisch jetzt auch selbst zubereiten will, nimmt sich auf dem Heimweg am besten frischen Fisch vom Markt mit.

Warum du hinfahren solltest

Das Tempu Ri Capuna ist kein riesiges Spektakel und will auch keins sein. Es ist ein Fest für einen Fisch und für die Menschen, die ihn fangen, an einem Ort, an dem man noch merkt, dass der Hafen nicht nur Kulisse ist. Du isst Fisch, den du mit dem Fischer besprechen kannst, hörst Musik unter freiem Himmel und kannst danach noch ein paar warme Herbsttage in San Vito Lo Capo anhängen. Wer im Oktober nach einem Grund sucht, noch einmal nach Sizilien zu fahren, hat hier einen.

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